Taiwan ist ein Land in Asien, das ich reisetechnisch nicht auf dem Plan hatte. Und nur weil mich ein Taifun und ein paar andere Probleme aus den Philippinen getrieben haben, habe ich mich spontan auf den Weg gemacht. Schließlich hatte ich noch ein paar Tage bis zu meiner geplanten Ankunft in Hongkong. Da die Flüge innerhalb Asiens recht günstig sind (unter 100 Euro inklusive Gepäck) und die Flugzeit lediglich bei rund zwei Stunden liegt, dachte ich mir: Let’s go! Im Flugzeug habe ich etwas gesehen, was ich vorher noch nie erlebt hatte: Bier war das einzige alkoholische Getränk. Und der Verzehr von Bier war auf zwei Drinks pro Person und Flug beschränkt. Ist es wirklich so, dass Asiaten keinen Alkohol vertragen? Man sagt das zwar, allerdings wurde mir schon oft berichtet, dass das nicht bei jedem der Fall ist. Der Preis für ein Bier lag übrigens bei etwa 2,20 Euro. Ein wahres Schnäppchen, auch wenn die maximale Ausgabe dafür folglich 4,40 Euro betragen durfte.

Letztendlich habe ich es leider nicht geschafft, dem Taifun vollkommen zu entgehen. Der krasse Wind hat die Hauptstadt von Taiwan zwar nicht erreicht, der Regen war aber da. Tagelang hat es fast pausenlos geregnet. Ein Verlassen des Hotels ohne Regenschirm war kaum möglich. Das Hotel, für das ich mich entschieden hatte, war im Airport-Stil gestaltet (Ximen Airline Hotel), ziemlich cool. Vom Bett bis zum Badezimmer sah alles aus wie im Flugzeug. Na ja, nur mit ein bisschen mehr Platz. Und selbstverständlich befand sich das Hotel direkt im Zentrum der Gay-Area. Viele Bars gab es in Taipeh allerdings nicht, und die wenigen waren leider auch nicht besonders gut besucht. Vielleicht aufgrund des Regens oder einfach auch wegen der Tatsache, dass ich die Stadt mitten in der Woche besucht habe. Die Bars in Taipeh befinden sich alle rund um das sogenannte „Red House“. Das ist ein einfaches rotes Backsteinhaus – was auch immer daran so besonders sein soll. Die paar Tage in Taiwan haben mir trotz des Wetters gut gefallen, und es gab coole Fotos vom Taipeh 101 – dem ikonischen Wolkenkratzer der Stadt. Jaaa, ich bin ein großer Fan von hohen Gebäuden und Architektur. Dafür langweilen mich Kultur und altes Zeug. Ich hasse Städte wie Athen oder Rom. Eine wahllose Zusammenstellung völlig hässlicher Bauruinen ohne jegliche Infrastruktur.

Die Welt ist klein

Lustigerweise kannte ich sogar jemanden in Taiwan. Eine Person, die ich ein paar Monate zuvor in Sitges kennengelernt hatte, tauchte dort auf. Ich wusste zu dem Zeitpunkt gar nicht, dass der Typ aus Taiwan kommt. Na ja, okay, vielleicht merke ich mir auch einfach nicht so genau, wo Menschen wohnen. Die Zeit verging schnell, die Tage flogen nur so vor mir her. Das ist mir allgemein auf meiner Asien-Reise sehr stark aufgefallen. Sieben Wochen war ich unterwegs, und vom Gefühl her war es nicht viel länger als ein Zwei-Wochen-Trip. Und das, obwohl ich ja alleine schon zwei Wochen auf einem Schiff war.

Schon in wenigen Tagen sollte die Kreuzfahrt starten. Mit einer Route von Hongkong nach Singapur. Absolut geil, nie in meinem Leben habe ich eine Asien-Kreuzfahrt gemacht. Drei Tage vor Abfahrt begab ich mich also Richtung Hongkong. Ein weiterer sehr kurzer und günstiger Flug.

Wenn man sich vor dem Start einer Gay-Cruise in einer großen Stadt befindet, wird die Szene der Stadt üblicherweise von den Cruise-Gästen geflutet. Selbst in einer Millionenstadt wie Hongkong merkt man es in den Bars, wenn plötzlich 3.000 Schwule zusätzlich in der Stadt sind. Leider sind von diesen 3.000 Schwulen nur ca. 0,25 % ansehnlich. Na ja, zumindest für mich, mein Typ geht eher nicht in Richtung haariger Daddy. Ich hatte mich sehr darauf gefreut, in Asien hübsche asiatische Twinks zu sehen. In Hongkong war das zu dieser Zeit eher schwierig. Atlantis-Leute, wohin man nur ging. Atlantis ist der Name des Veranstalters der Cruises. Wir haben es allerdings geschafft, einen Club zu finden, in dem sich nur wenige Touristen aufhielten. Wir waren dort wohl so ziemlich die einzigen Europäer. Sehr cool, allerdings bestand die Musik zu 80 % aus K-Pop, und man kannte nur wenige der Titel. Etwa 20 Minuten brauchte man mit dem Taxi bis zum Club, er war also nicht in der Nähe der anderen Gay-Bars. Allerdings trotzdem noch auf der Insel (Hong Kong Island) – das Ding ist größer, als man denkt. Der Club befand sich in einem recht hohen Gebäude, und man bewegte sich mit dem Fahrstuhl zwischen den Areas. Genau genommen waren es zwei verschiedene Clubs in verschiedenen Stockwerken, einer davon ganz oben, quasi Rooftop-Feeling ohne Rooftop. Die Drinks waren günstig, die Männer waren jung und hübsch. Geredet haben trotzdem nur wenige mit uns. Entweder, weil sie überwältigt von unserer Schönheit und einfach schüchtern waren, oder weil sie keinen Bock auf Europäer in ihrem Safe Space hatten.

Hongkong hat mich sehr beeindruckt, also wenn man mal von den Bars absieht. Ein bisschen weird fand ich die Gerüste an den Gebäuden, die dort gebaut wurden. Es waren schlichte Bambusgerüste, selbst bei sehr hohen Gebäuden. In Europa hätte man das niemals erlaubt. Ein paar Wochen später gab es einen Brand in Hongkong mit vielen Toten – wegen eben dieser Bambusgerüste. Die fangen scheinbar ganz gut Feuer. Tragisch, zumal sehr viele Menschen in den hohen, günstigen Wohnhäusern leben. Preislich bewegte sich Hongkong eher im höheren Bereich. Hotels mit kleinen Zimmern schlugen mit 150 bis 200 Euro pro Nacht zu Buche, die Preise für Longdrinks lagen mit ca. 10 Euro im europäischen Bereich. Gibt es eigentlich einen Longdrink-Index, um die Getränkepreise weltweit zu vergleichen? Wenn nicht, sollten wir den einführen, schließlich gibt es auch einen Big-Mac-Index.

Ein Grund meiner Asienreise war, dass ich ein Land suche, in dem ich mir vorstellen kann, meinen Lebensabend zu verbringen. Es ist ja bekannt, dass ich kein großer Fan von Deutschland bin. Mein Verlangen nach neuen Ländern und neuen Abenteuern ist groß, und selbst nach ca. zehn neuen Ländern in sieben Wochen habe ich bereits eine Liste mit Zielen für die nächste Asien-Reise erstellt. Wenn man mit den Leuten vor Ort spricht, wird die Liste schnell um weitere Ziele ergänzt. Oder es werden Ziele von der Liste gestrichen. Nichts ist cooler als Tipps von Locals, das gilt selbst für Tipps in banalen Reisezielen wie Gran Canaria. Spoiler: Bisher kann ich mir nicht vorstellen, meinen Lebensabend in Asien zu verbringen. Wenn, dann kommt dafür nur Thailand infrage. Oder sagen wir es mal so: Ich werde noch öfter nach Thailand reisen, um das für mich herauszufinden. Schließlich habe ich noch um die 20 Jahre bis zur Rente.