Es war mal wieder so weit: Die nächste Gay Cruise stand auf dem Plan. Dieses Mal für mich erstmalig in Asien, auf der Strecke von Hongkong nach Singapur. Ich hatte mich sehr auf die Kreuzfahrt gefreut, sie sollte quasi meine „ruhige Auszeit“ im Rahmen der längeren Asien-Reise werden. Und wie immer hat der Kreuzfahrtveranstalter so ziemlich alles getan, um den Gästen auch wirklich jeden letzten Dollar aus den Rippen zu leiern. Ich frage mich oft, warum ich diese Kreuzfahrten immer wieder mache. Und die Antwort darauf ist einfach: Ich genieße es sehr, mal ein paar Tage im Jahr weder Kinder noch Frauen um mich herum zu haben. Dafür habe ich umso mehr notgeile Amerikaner und Daddys um mich herum. Man könnte nun diskutieren, was schlimmer ist, aber halten wir das einfach mal so fest.

Los ging es in Hongkong – vom Cruise-Terminal hat man eine grandiose Sicht auf diese einmalige Stadt. Was nicht so einmalig ist, ist das Schiff. Na ja, vielleicht einmalig alt. Es handelte sich um die „Celebrity Solstice“, gebaut im Jahr 2008, mit Platz für ca. 2.800 Homos plus Personal. Lustigerweise wird das Schiff 2026, also direkt nach der Kreuzfahrt, umfassend saniert. Die Schwulen hatten also quasi die Möglichkeit, den Kahn zum Ende hin noch einmal richtig runterzurocken. Und das haben sie in zahlreichen Gangbangs auf Möbeln und in der Öffentlichkeit sicher auch getan.

Das Ende jeden Geldes

Recht kurz vor Reisebeginn hatte Atlantis noch mit Rabatten um sich geschmissen, das Schiff war also nicht ausgebucht. Da wir schon früh gebucht hatten, gab es natürlich im Nachhinein keinen besseren Preis für uns. Wie so oft schmuggelten wir reichlich Wodka an Bord, um zumindest ein bisschen von den Getränkepreisen von XX US-Dollar pro Longdrink verschont zu bleiben. Natürlich reichen ein paar Liter nicht ewig, sondern nur ein paar Tage. Danach schlägt jeder Schluck ein XXL-Loch in die Geldbörse, vor allem wenn man einen so krass hohen Alkoholkonsum pflegt wie meine Person. Auch auf dieser Reise gab es wieder eine Fragestunde mit den Veranstaltern der Kreuzfahrt, ganz getreu dem Motto: „Fragt alles, was ihr wollt.“ Und auch dieses Mal kam Kritik an den hohen Getränkepreisen und die Frage, warum auf schwulen Kreuzfahrten kein Getränkepaket angeboten wird – schließlich ist das auf Hetero-Kreuzfahrten gang und gäbe. Die Begründung war einfach: natürlich nicht, weil sich der Veranstalter bereichern will, sondern aus Rücksicht auf die Gäste, schließlich saufen sich Schwule ja tot und in die Ecke, wenn alle Getränke enthalten sind. Na ja, ein bisschen stimmt das ja vielleicht.

Und hier noch ein weiterer Tipp für alle, die noch keine (Gay-)Kreuzfahrt gemacht haben: Man sollte vor der Buchung immer den Ort der Stopps mit dem tatsächlichen Standort des Schiffes vergleichen. Es kann durchaus vorkommen, dass das Schiff mal schöne zwei bis drei Autostunden vom eigentlichen Stopp entfernt hält – und zwar mitten in einem Industriehafen, wo es nichts gibt außer ein paar kleinen Kiosken, in denen man Handtücher und handgemachte Vasen kaufen kann.

Tischtennis geht auch ohne Platte

Da Bangkok für uns das Highlight der Asien-Reise war, haben wir die dreistündige Fahrt mit dem Taxi auf uns genommen und das Abenteuer gewagt. Da es ein Overnight-Stopp war, konnten wir einfach über Nacht in Bangkok in einem Hotel bleiben. Keiner aus unserer Reisegruppe war vorher schon mal in Thailands Hauptstadt, also gab es die eine oder andere Überraschung in den Bars. Wir haben allerdings darauf verzichtet, in eine der legendären Ping-Pong-Bars zu gehen. Schwule haben generell wenig Interesse daran, zuzuschauen, wie Frauen Bälle aus ihren Körperöffnungen schießen. Vor dem besagten Ping-Pong-Laden gab es übrigens ein Plakat mit Dingen, die diese Frauen bzw. Personen noch so alles unten rausschießen können. Unter anderem wurde angeboten, dass eine Person eine andere mit einem Rasierer in ihrem Körperteil rasiert. Allein die Vorstellung ist schon sehr absurd. Und vor allem müssten diese Haare ja schnell wieder nachwachsen, wenn man die Show mehrmals am Tag aufführt.

In eine andere Bar in Bangkoks schwuler Straße, der Silom Soi 4, gingen wir dann also doch – beziehungsweise wurden von einem „Promoter“ hineingelockt. Wir hielten das für eine normale Show-Bar mit Drag Queens und Strippern. Wenn man ein Getränk kaufte, musste man keinen Eintritt zahlen. Die Getränkepreise waren auch durchaus okay. Womit wir allerdings nicht gerechnet hatten, war der zusätzliche Zweck dieser Bar. Jeder Show-Act, vor allem die Stripper, hatte einen Zettel mit einer Nummer auf der Brust. Man konnte nun einfach zum Kellner gehen und sich eine der Nummern aussuchen. Für einen Drink kam der Boy dann zu einem an den Tisch, um weitere Details des Deals zu besprechen bzw. zu betatschen. Überraschenderweise nahmen das Angebot primär alte weiße Männer an. Die Preise schienen nicht sehr hoch zu sein, schließlich kauften sich einige Kunden auch gleich zwei Boys.

Das Wetter war während der Kreuzfahrt nicht wirklich stabil. Von fast zwei Wochen hatten wir lediglich drei Tage Sonne. Und es war auch nicht so warm, dass man sich zum Sonnen an den Pool legen konnte. Aber nun gut, das ist wohl eine der wenigen Sachen, für die Atlantis Events nichts kann. Meine ganze Reise wurde ja schon von Regen und Stürmen begleitet. Und immerhin waren die Medikamente gegen Übelkeit zu meiner großen Überraschung gratis. Für gewöhnlich gibt es nicht mal den Tod auf einem Kreuzfahrtschiff umsonst.

Aufgrund des Wetters verbrachten wir viel Zeit indoor in Bars, in Restaurants oder auf Partys. Nein, nicht diese Art von Partys! An einem Nachmittag im Restaurant sangen ein paar Leute neben uns „Happy Birthday“, und wir stimmten fröhlich mit ein. Als Dank wurden wir vom Geburtstagskind in seine Kabine eingeladen, eine der größten Suiten auf dem Schiff. Und dieses Geburtstagskind, das wohl näher an der 70 als an der 50 war, schien es auch finanziell recht gut erwischt zu haben. Sein „Boytoy“ (ca. 40 Jahre alt) spielte auf dem Klavier der Kabine, sein Exfreund spielte mit ihm Schach. Das Geburtstagskind hatte allerdings keine Ahnung von Schach oder den Regeln. Doch niemand zeigte Interesse daran, ihm zu widersprechen oder ihn zu verbessern. Schließlich gab es gratis Champagner und gratis Grey Goose Wodka in der Kabine. Es wäre ja schön doof gewesen, wenn man diese Party vorzeitig verlassen hätte. Irgendwann verließen wir sie dann aber doch.

Und irgendwann verließen wir auch das Schiff. Nach ein paar weiteren verregneten Tagen erreichten wir Singapur – und damit ein weiteres Highlight der Reise.