Seit ich Ende Dezember aus Asien nach Deutschland zurückgekehrt bin, habe ich praktisch keine Sonne mehr gesehen. Die Winterdepression kickt dieses Jahr wirklich ordentlich. Wobei man wohl auch sagen muss, dass es in Deutschland schon lange nicht mehr so kalt und vor allem so schneereich war. Und was soll ich sagen: Ich hasse Kälte. Und noch mehr hasse ich Schnee und Regen – das dürfte inzwischen bekannt sein. Es war also Zeit für eine kleine Auszeit in der Sonne. Also entschloss ich mich im Februar, für ein paar Tage wegzufliegen. Und zwar an einen der wenigen Orte in Europa, die zu dieser Jahreszeit überhaupt noch halbwegs verlässlich Sonne versprechen: auf die Kanaren beziehungsweise nach Gay Island, also Gran Canaria.

Aus Kostengründen entschied ich mich diesmal für etwas Neues: kein klassischer TUIfly-Flug ab Hannover, sondern Ryanair ab Berlin. Das sollte knapp 200 Euro sparen. Dass sich diese Ersparnis am Ende natürlich größtenteils wieder in Luft auflösen würde, hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht bedacht. In meinem Kopf existierte nur eine Bahnfahrt von Hannover nach Berlin für ungefähr 50 Euro. Nun ja. Auf die Bahn kann man sich bekanntlich nicht verlassen – vor allem dann nicht, wenn der Flug schon um 12 Uhr mittags geht. Die Wahrscheinlichkeit, wegen der Zuverlässigkeit der Deutschen Bahn seinen Flug zu verpassen, liegt gefühlt irgendwo deutlich jenseits der 50 Prozent. Also habe ich spontan ein Hotel in Berlin gebucht. Genauer gesagt an einem Ort, den ich bisher nur vom Namen kannte: Schönefeld. Und ja, den Ort gibt es tatsächlich. Er heißt genauso wie der ehemalige Flughafen und liegt erwartungsgemäß auch nicht in der Nähe von Schöneberg, sondern eher genau da, wo man lieber nicht nachts strandet. Immerhin kann Schönefeld für sich beanspruchen, den mit Abstand dunkelsten Bahnhof der Republik zu haben. Als ich dort spät abends ankam und noch rund 800 Meter bis zu meinem Hotel laufen musste, habe ich wirklich dreimal darüber nachgedacht, ob ich das jetzt durchziehe. Aber nun ja: Ich habe überlebt.

Springen wir ein paar Stunden weiter – zu dem Moment, in dem ich meine schwule Lieblingsinsel erreichte. Pünktlich. Immerhin eine Sache kann Ryanair dann doch recht gut. Weniger ideal war allerdings das Wetter. Ich wurde von Sturm und Starkregen empfangen, als ich in den Bus Richtung Playa del Inglés stieg. Die Frau neben mir in der Warteschlange war ähnlich irritiert. Ich sah sie nur an und sagte trocken: „Welcome to Spain.“

In den nächsten Tagen besserte sich das Wetter immerhin etwas. Abends konnte man ohne Jacke losziehen, solange man in Bewegung blieb. Für kurze Hosen war es allerdings doch noch zu frisch. Und sobald man im Restaurant länger saß, war eine Decke mehr als willkommen. Vor dem Wind sollte man auf jeden Fall Respekt haben – morgens flogen durchaus mal Stühle durch die Hotelanlage. Wobei das, zugegeben, eher unterhaltsam als bedrohlich war. Vor allem dann, wenn eine ältere deutsche Ute samt Horst panisch schreiend vor einem Plastikstuhl flüchtet.

Praktisch war der Wind allerdings am Strand. Es gab quasi ein kostenloses Ganzkörperpeeling. Der Sand auf der Sonneninsel ist nämlich erstaunlich grobkörnig und kann durchaus weh tun. Ohne Sonnenbrille sollte man sich dort besser nicht aufhalten, wenn man vermeiden möchte, dass einem der halbe Strand ins Auge fliegt. Ebenfalls immer wieder sehenswert: die komplett panierten Menschen in der schwulen Beachbar, der legendären Strand-Apo-Theke. In Kombination mit Sonnencreme haftet der Sand nämlich wirklich perfekt am gesamten Körper.

Wenn ich gerade mal nicht im Sand lag oder arbeitete – ja, es war für mich tatsächlich eine Art Work-and-Travel-Urlaub –, hielt ich mich meistens in Bars oder Restaurants auf. Das Nachtleben inklusive Clubs habe ich diesmal weitgehend ausgelassen. Stattdessen zog ich es vor, an den meisten Tagen spätestens gegen Mitternacht zu schlafen. Oder alternativ schon etwas früher betrunken wegzudämmern.

Die Restaurantqualität hat sich seit meinem letzten Besuch vor ungefähr 15 Monaten leider nicht verbessert. Viele Läden haben inzwischen den Besitzer gewechselt, sind umgezogen oder gleich ganz verschwunden. Dabei hat es ohnehin Jahre gedauert, auf der Insel überhaupt ein paar gute Restaurants zu finden – also solche, bei denen man nicht entweder von absurd überhöhten Preisen oder von Durchfall am nächsten Tag geplagt wird. Vor allem die Restaurants am Leuchtturm, also rund um den Faro de Maspalomas, haben stark abgebaut. Nur die Preise natürlich nicht. Es kommt eher selten vor, dass ich mich ernsthaft beim Service beschwere, aber dieses Mal war es leider nötig. Und es ist schon beeindruckend unerquicklich, wenn eine eigentlich fantastische Aussicht durch Kack-Essen und komplett unterirdischen Service ruiniert wird.

Beenden wir diesen Urlaub aber mit einem echten Highlight: dem Rückflug mit Ryanair. Zugegebenermaßen kann die Airline für die beiden folgenden Vorkommnisse wirklich nichts. Zum ersten Mal in meinem Leben hat mir nämlich jemand während der Busfahrt zum Flughafen in den Rücken gekotzt. Zunächst hielt ich die Geräusche noch für Husten. Als ich mich dann umdrehte, wurde allerdings schnell klar, dass da etwas deutlich Ernsthafteres im Gange war. Die Wahrheit ergoss sich nicht nur in meine Richtung, sondern gefühlt in sämtliche Richtungen des Busses. Die umliegenden Fahrgäste traten umgehend die Flucht an. Glücklicherweise geschah das Ganze nur etwa zehn Minuten vor der Ankunft am Flughafen. Ich frage mich bis heute, wie der Busfahrer dieses Problem am Ende wohl gelöst hat.

Auch der Einstieg ins Flugzeug – bei Ryanair ja scheinbar standardmäßig ohne Fluggastbrücken – hielt noch eine letzte Kuriosität bereit. Zwei Passagiere, ein Ehepaar, waren schlicht zu breit für ihre Sitze. Interessanterweise saßen genau diese beiden schon auf dem Hinflug vor mir, damals in Reihe eins: die Frau am Fenster, der Mann am Gang. Auf dem Rückflug sollte nun zusätzlich noch eine dritte Person in derselben Reihe Platz nehmen. Das war schlicht unmöglich – und sowohl für die betroffene Person als auch für alle anderen wartenden Fluggäste maximal unangenehm.

Der Rückflug landete pünktlich im Flughafen in Berlin. Dass meine Rückfahrt mit der nach Hannover dann eine Stunde Verspätung hatte, muss ich wohl nicht explizit erwähnen. Na dann, bis zum nächsten Trip.