Nachdem ich im Rahmen meiner Asien-Rundreise 2025 schon eine Woche in Dubai verbracht hatte, stand nun der nächste Stopp auf dem Plan: eine Woche in der Hauptstadt der Philippinen: Manila. Manila ist übrigens nicht gleich Manila. Es gibt die Stadt Manila und die Region Manila. Ich wollte direkt in die Stadt Manila. Und habe es nun wohl geschafft, innerhalb von drei Zeilen zehnmal das Wort Manila zu schreiben. Manila, Manila, Manila. Jetzt aber.
I bless the rains down in Africa
Da ich alle Flüge über Meilen gebucht habe, gab es von Dubai auf die Philippinen nur einen Weg: mit Ethiopian Airlines über Addis Abeba, die Hauptstadt von Äthiopien. So kann ich nun zumindest sagen, dass ich mal in Afrika war, wenn auch nur für zwei Stunden. Die zwei Stunden haben übrigens gereicht.
Etwa sechs Stunden Umweg sind für die Strecke notwendig, kein Problem für mich. Beim Einstieg in den ersten Flieger Richtung Afrika teilte ich mir mit zwei dunkelhäutigen und äußerst korpulenten Frauen eine Dreierreihe im Flugzeug. Ich habe mir einen Business-Flug für diese Vier-Stunden-Strecke gespart. Zu meinem Unglück waren diese beiden Frauen nicht nur fettleibig, sondern auch ausgesprochen laut, respektlos und völlig betrunken. Alle 30 Minuten bestellten sie ein Paket aus Rotwein und Bier, das sie sich dann ohne weitere Umschweife und immer abwechselnd einverleibten. Die Bestellung bei der Flugbegleiterin verlief dabei nicht wie bei normalen Menschen. Kein „Excuse me“, kein „Thank you“, kein „Could I please have another wine?“. Nein, es gab einen einfachen Schrei: „Lady, more wine!“ durch den halben Gang. Die Flugbegleiterin war sichtlich genervt, machte den Wahnsinn aber mit. Ich war froh, als diese vier Stunden vorüber waren und ich Addis Abeba erreichte. Im Landeanflug suchten die beiden netten Damen übrigens das WC auf, worauf die Flugbegleiterin dann nicht mehr so freundlich reagierte. Als sie dann nach der Landung schneller aufsprangen als so mancher Deutsche, reichte es dem Personal endgültig. Die langersehnte Ansage war den Damen allerdings vollkommen egal.
Der nächste Schritt waren zwei Stunden Aufenthalt in der Lounge. Und wow, diese Lounge war wirklich krass. Völlige Überfüllung, eine unfassbare Lautstärke, aggressive Menschen, die sich stritten und sogar Essen hin und her warfen. Meine AirPods sind wirklich nicht laut genug für Afrika. Eine gute Sache gab es aber: Grey Goose an der Bar. So war ich froh, dass ich vor dem Weiterflug zumindest einigermaßen angetrunken war. Entgegen meiner Headline aus dem Song „Africa“ von Toto hat es in Afrika übrigens nicht geregnet, zumindest nicht an diesem Tag.
Weiter geht’s in das XXL-Flugzeug aus Äthiopien über Hongkong nach Manila. Ein Zwölf-Stunden-Flug in der Business Class. Es gab nur wenige Sitze, und der Service war gut. Das Essen war allerdings gar nicht mein Geschmack, also verzichtete ich darauf. Was ich so noch nicht erlebt habe, war der Einstieg in das Flugzeug: Passagiere der Business Class durften nicht zuerst, sondern zuletzt einsteigen. Aus einem eigenen VIP-Bus konnten wir beobachten, wie sich ein riesiger Pulk an Menschen versuchte, in das Flugzeug zu quetschen – kein Warten, kein Schlangestehen, einfach nur pures Drücken. Zustände wie in der Dritten Welt – das passt ja. Und das ganz ohne Fluggastbrücke bei einer Boeing 787-10.
Bar vs. Bar
Ich erreichte Manila erst am Abend gegen 18 Uhr, schließlich gibt es eine kleine Zeitverschiebung zwischen Dubai und den Philippinen. So konnte ich noch nicht viel davon sehen, in was für eine Gegend es mich verschlagen hatte. Mein Hotel war schön, und das Personal war freundlich. Die Empfehlung für das Hotel und die Gegend stammte von ChatGPT auf meine Frage nach einer coolen Gay-Area. Schnell fand ich heraus, dass das ein Irrtum war. Die einzige Gay-Bar in unmittelbarer Nähe war eine fürchterliche Strip-Bar, die ich noch am gleichen Abend kennenlernte. Ich flüchtete nach 30 Minuten und einem nicht gerade leckeren Longdrink. Mit dem Taxi fuhr ich dann fast eine Stunde in die O Bar, die sich in einem anderen Stadtviertel befindet. Diese Bar war genau das Gegenteil der Bar davor: groß, tolle Menschen (allerdings größtenteils Touristen) und eine coole Show aus Gesang, Drag und Gogos. Die Preise für die Drinks waren allerdings eher auf europäischem Niveau, während sie in der fürchterlichen Strip-Bar davor fast gratis waren.
Vielleicht hatte ich schon erwartet, dass mir auf den Philippinen ein paar mehr Leute auf Grindr schreiben. Allerdings hatte ich nicht mit dieser krassen Anzahl gerechnet. Schon eine Stunde nach der Landung hatte ich über 100 Nachrichten. Es war kaum möglich, hinterherzukommen. Europäer sind scheinbar sehr beliebt. Und vor allem so tolle, gutaussehende, junge, reiche Europäer wie ich. Ein Großteil der schreibenden Boys war super cute und ziemlich genau so, wie ich es mir nach vielen Kreuzfahrten vorgestellt hatte. Das kann ein Spaß werden – zumindest dachte ich das am ersten Abend.
Happy Typhoon
Der nächste Morgen war ein Sonntag. Als ich dann im Hellen das Hotel verließ, wurde ich mir des Viertels bewusst. Das war wirklich krass. Ich befand mich inmitten von Slums, die Leute wohnten auf der Straße. An der Rezeption gab man mir den Tipp, idealerweise ausschließlich mit dem Taxi zu fahren, vor allem nachts. Auf keinen Fall sollte ich zu Fuß durch die Straßen gehen, wenn ich nicht beklaut werden wollte. Selbst bei einem kleinen, vielleicht 500 Meter langen Fußmarsch hat bereits ein etwa achtjähriger Junge versucht, mir mein Handy zu klauen. Anschließend bin ich wirklich auf das Taxi umgestiegen.
Problematisch am Taxifahren in Manila ist allerdings Folgendes: der Verkehr ist unglaublich. Unglaublich viel Verkehr. Eine der staureichsten Städte weltweit. So verbrachte ich Stunden um Stunden in Autos, um Ziele zu erreichen, die vielleicht nur ein bis zwei Kilometer entfernt waren. Leider sind die meisten Bars innerhalb der Woche und auch sonntags geschlossen, so hatte ich gar nicht mehr viele Möglichkeiten.
Aber die brauchte ich auch gar nicht, denn als ich nach dem Spaziergang wieder im Hotelzimmer war, fand ich einen Zettel mit einer Warnung auf meinem Schreibtisch: Achtung, der Taifun kommt, wir empfehlen Ihnen, das Hotel die nächsten 30 Stunden nicht zu verlassen. Oh je, so ein Glück aber auch. Ich suchte noch schnell einen Supermarkt, um mich mit ein paar Longdrinks und Schokoriegeln einzudecken. In der Region war das der 26. Taifun im Jahr 2025, wie man mir erzählte. Und der Regen war wirklich heftig, ebenso der Wind. Es lagen Möbel aus den Zeltstädten auf der Straße, der Regen spülte einiges weg. Statt die Zeit wirklich nur im Hotel zu verbringen, bin ich in ein Einkaufszentrum geflüchtet, das ca. 300 Meter von meinem Hotel entfernt war. Durch die Sicherheitsleute wurden Taschendiebe ausgefiltert, und es gab viele Restaurants samt leckerer Drinks zu guten Preisen. Ich habe wohl wirklich den Großteil meiner Zeit in Manila in diesem Einkaufszentrum verbracht.
Die erste Planänderung
Das Wetter, die Sicherheitssituation und der Fakt, dass alle Bars die nächsten Tage geschlossen haben würden, machten mich nicht gerade glücklich. Eigentlich wollte ich am Freitag nach Hongkong weiterfliegen. Ich entschloss mich jedoch, den Plan spontan anzupassen und bereits am Dienstag weiterzufliegen, wenn das Wetter wieder einen normalen Stand erreicht hätte, der das Fliegen erlaubt. Und so guckte ich auf der Weltkarte nach, wo man zwischenzeitlich noch schnell und günstig für ein paar Tage hinfliegen könnte. Die Lösung lag auf der Hand: Es geht nach Taiwan. Das Land hatte ich vorher gar nicht auf dem Plan.
So begab ich mich am Dienstagmittag Richtung Flughafen – mit einem Taxi und einer Fahrzeit von fast 20 Stunden, obwohl es nur wenige Kilometer sind. Es gibt zwar eine Art erhöhte VIP-Straße, die kostenpflichtig und damit nicht so voll ist, allerdings staut es sich Richtung Flughafen leider auch hier sehr krass. Ohne richtige Fahrbahnmarkierungen. Quasi ein Pulk von Autos, ähnlich den Leuten am Flughafen in Addis Abeba. Oh je. Ich hatte damit gerechnet, also schaffte ich es, den Flughafen pünktlich zu erreichen.
Beim Plan der Reise nach Taiwan hatte ich allerdings eines nicht berücksichtigt: die Richtung, in welche sich der Taifun bewegt. Dazu aber später mehr.

