Weil der Dry January an sich ja nicht schwer genug ist und ich diesen fast jährlich sehr erfolgreich (und gelangweilt) abschließe, habe ich mir in diesem Jahr etwas Neues ausgedacht: Warum nicht mal eine Woche fasten? Ein bisschen Entgiftung kann ja nicht schaden. Und so kam es, dass ich mir ab Mitte Januar eine Woche Fasten in den Kalender eingetragen habe.

Der Startzeitpunkt kam schneller als gedacht – die ersten zwei Wochen im Januar vergingen wie im Flug. Und das leider ganz ohne Flug. Aber es gab auch jede Menge neue Arbeit im neuen Jahr. Bei meinem letzten Fastenversuch, der wohl ca. zehn Jahre her ist, hatte ich vorher ein Buch über Tipps und Details gelesen, um perfekt vorbereitet zu sein. Dieses Wissen ist natürlich in der Zwischenzeit abhandengekommen. Praktischerweise gibt es jetzt ChatGPT. So konnte ich mir das Lesen von Büchern ersparen. Die Vorbereitung beschränkte sich im Wesentlichen auf das Einkaufen von Glaubersalz und Tee. Auch die Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente, welche ich einnehme, habe ich mit ChatGPT geprüft. Es stellte sich raus, dass die meisten während des Fastens tabu sind. Kein Mounjaro, kein Kreatin, kein gar nichts. Zink, L-Theanin und Magnesium sind aber okay.

Mein Hauptziel beim Fasten ist in der Tat die Entgiftung und eine bessere Haut. Ausnahmsweise ist das Ziel mal keine Diät – mit meinem Gewicht bin ich aktuell fast zufrieden. Wie lange halte ich das wohl durch? Drei bis vier Tage sollten es mindestens sein, sieben Tage sind anspruchsvoll und zehn Tage wohl extrem schwer. Los geht’s.

Tag 1

Direkt am Vormittag ging es los – mit einer großen Portion warmem Wasser samt 30 g Glaubersalz. Das Zeug sorgt dafür, dass Magen und Darm alles aus dem Körper spülen, was da so rumliegt. Normalerweise sollte das 2–3 Stunden dauern, bei mir waren es eher acht Stunden. Ursache dafür war wohl die Einnahme von Mounjaro (Abnehmspritze), welches die Verdauung erheblich verlangsamt. In der Fastenwoche werde ich auf das Medikament verzichten. Mein Hungergefühl ist sehr erträglich, nicht mehr oder weniger als sonst. Ich denke, auch das liegt am Medikament. Ich bin gespannt, wie sich das Gefühl nach Absetzung entwickelt.

Trotz des Fastens habe ich mich für den Konsum von Kaffee entschieden. Genau genommen widerspricht das dem Gedanken des Heilfastens, aber ich möchte nicht auf alles verzichten. Es reicht mir, wenn ich nicht essen und saufen darf. Abgesehen davon hat Kaffee null Kalorien und ich trinke sowieso größtenteils koffeinfreien Kaffee. Mir sei also verziehen.

Tag 2 & 3

Noch bis in die frühen Morgenstunden hat die Wirkung des Glaubersalzes angehalten, also fast 24 Stunden, wow. Nun bin ich völlig clean und leer. Ich könnte direkt anfangen, mal wieder bottom zu sein. Das letzte Mal, dass ich das war, ist viele Jahre her.

Mir fällt auf, dass das Konzentrieren zunehmend schwerer wird, die normale Arbeit stellt eine höhere Belastung für mich dar, daher gehe ich es ruhig an. Körperlich ist es noch erträglich, ich habe kein Hungergefühl. Auch wenn es eigentlich keine gute Idee ist, Sport zu machen, habe ich mein EMS-Programm an Tag zwei voll durchgezogen. Ich muss mindestens einen Termin pro Woche bezahlen (ca. 40 Euro pro Termin), also sage ich diesen wohl kaum ab. Den zweiten Termin in der gleichen Woche habe ich allerdings sicherheitshalber storniert.

Es stellte sich raus, dass das eine gute Idee war. Am Abend von Tag zwei stellt sich leichter Schwindel ein, ich werde schwächer. Und auch an Tag drei nimmt die Schwäche zu, hinzu kommen Kopfschmerzen. Mit der Zusatzbelastung durch das EMS habe ich meinem Körper ganz offensichtlich keinen Gefallen getan. Abgesehen von ein bisschen Spazierengehen werde ich für den Rest des Fastens auf Bewegung verzichten. Zur Schwäche hinzu kommt ziemlich starker Muskelkater und die Tatsache, dass mir andauernd kalt ist. Nun, das ist wohl normal, wenn der Körper nicht mehr richtig heizen kann. Meine Dusche ist nun eine Stufe wärmer und wird ausgiebig benutzt. Nach wie vor hält sich der Hunger sehr in Grenzen, was mich überrascht. Vom letzten Fasten hatte ich das schlimmer in Erinnerung.

Tag 4 und 5

Was am Vortag begann, wurde mit dem vierten Tag noch mal schlimmer. Zum Muskelkater gesellten sich starke Rückenschmerzen, ich konnte kaum richtig stehen. Die extreme Kraftlosigkeit fühle ich mit jeder Zelle meines Körpers. Interessanterweise war das Gefühl in meinem Geist aber noch nicht angekommen – die Leistungsfähigkeit meines Gehirns war inzwischen fast wieder bei 100 % und ich konnte ohne Probleme arbeiten.

Allerdings hat sich mein Gefühl der Selbstwahrnehmung verändert. Es ist komisch zu sagen, aber ich fühlte mich, als würde ich mich selbst von außen beobachten. Als hätte ich meinen Körper verlassen. Beim täglichen Gang auf die Waage waren nun bereits drei Kilo verschwunden. Keine große Überraschung, allein zwei Kilo davon sind wohl der normale Mageninhalt.

An Tag fünf hat sich meine Gehirnleistung noch mal verändert – und zwar nach oben. Leider in eine Richtung, die für mich mehr als unangenehm ist: Ich überdenke alles und habe extrem viele Gedanken zu allen möglichen Themen im Kopf. Ich grübele hin und her – es lässt mich nicht schlafen. Dabei ist es völlig egal, ob das Thema relevant ist oder nicht. Mein Gehirn lässt mich nicht in Ruhe. Der Einschlaftee hat keinerlei Wirkung, meine Apple Watch weist mich darauf hin, wie schlecht mein Schlaf ist. Die Rückenschmerzen und der Muskelkater werden schlimmer, Hunger habe ich immer noch nicht.

Der Anfang vom Ende

Schon am späten Nachmittag und Abend des fünften Tages haben sich weitere Symptome eingeschlichen und mir ging es zunehmend schlechter: Sodbrennen, Magenschmerzen und noch stärkere Rückenschmerzen. Schlafen war fast nicht möglich. Da alle Beschwerden auch am Morgen von Tag sechs noch da waren, entschloss ich mich nach kurzer Rücksprache mit der KI zum Beenden des Experiments für dieses Jahr: Ich brach das Fasten ab. Auch wenn ich es liebe, Empfehlungen anderer oder von KIs zu ignorieren, folgte ich ihr dieses Mal. Ich hätte wohl auch der ausdrücklichen Empfehlung, kein EMS zu machen, folgen sollen. Nun ist es zu spät.

Ab mittags am sechsten Tag bin ich in die Aufbauphase übergangen und habe ein bisschen Gemüsesuppe mit Kartoffeln und Karotten gegessen. 5,5 Tage Fasten habe ich durchgehalten. Das ist zwar keine sonderlich extreme Leistung, aber das Ziel der Entgiftung habe ich wohl erreicht. Lange habe ich die Aufbauphase übrigens nicht durchgehalten – schon am Abend des gleichen Tages habe ich mir ein megageiles Schnitzel reingezogen. Booooaaar, war das ein Genuss. Leider gab es keinen Wein dazu, schließlich ist der Dry January noch nicht beendet. Ach, was freue ich mich drauf, am zweiten Februarwochenende wieder richtig die Sau rauslassen zu können.

Nun nun?

Was soll ich sagen – das Aufwachen am nächsten Tag war gigantisch. Das Schnitzel hat seinen Dienst getan: Meine Energie war komplett wieder vorhanden – und zwar auf 150 %. Ich hatte einen so krassen Bewegungsdrang, dass ich mich erst mal auf das Laufband gestellt habe. Auch meine Produktivität hat an diesem Tag neue Höhen erreicht. Nun, vielleicht war es einfach nur der Kontrast zu den Vortagen und mein Gefühl daher etwas getäuscht, aber immerhin machte mich dieses Gefühl sehr glücklich.

So, was überlege ich mir wohl für den Januar 2027?!