Ein Sonntag Anfang Februar 2024, die meisten Leute durften ihren “Dry January” bereits vor ein paar Tagen beenden – die Glücklichen. Mein Plan sieht anders aus. Und was mich wirklich überrascht war nicht, dass die Zeit für mich sehr schwer wird, sondern vor allem welche Punkte für mich schwerer sind als vermutet. Aber von Anfang an.
Nach einer ausgiebigen Reise zwischen Weihnachten 2023 und Mitte Januar 2024, welche wie üblich auf Gran Canaria endetet und eine Reisedauer von fast vier Wochen hatte, war nun mal wieder Zeit für eine gesündere Lebensweise. Vier Wochen Dauer-Saufen und Flatrate-Buffett (zwei Wochen davon auf einem Kreuzfahrt-Schiff) gehen nicht spurlos an einem bzw. an einem Körper vorbei. Da ich auch den Herbst über ordentlich gesoffen und genoßen habe, wurde es Zeit für Detox. Detox heißt dabei nicht nur, auf Alkohol zu verzichten, sondern auch zu versuchen, ein bisschen Gewicht zu verlieren. Irgendwas zwischen 5 und 10 kg, also quasi ready for the summer body. Daher stand auch der Zeitpunkt fest: Vom 15. Januar, der Tag nach der Rückkehr nach Deutschland, bis zum 7. März, dem Tag vor dem erneuten Abflug Richtung Carninal Maspalomas. So weit so gut.
Um den Fettverlust zu maximieren und den Abbau von Muskeln während der Zeit zu verringern, habe ich noch ein kleines Sportprogramm eingebaut. Das war nicht viel, sondern bestand lediglich aus 100 Liegestützen und 3 Minuten Planking pro Tag. Plus 10.000 Schritte täglich. Und genau dieser Punkt war es, der mich richtig gefickt hat. Wenn man kein Sport-Fan ist und sich von heute auf morgen ohne auch nur einen Tag Pause bewegen muss, dann ist das schon kacke. Ich weiß, das ist Jammern auf hohem Niveau, aber ich habe Sport einfach schon immer verabscheut, ganz besonders Muskeltraining. So habe ich die Sporteinheiten zwar mit Mühe und Not hinbekommen, allerdings auch immer gut über den Tag verteilt und aufgeschoben, bis es nicht mehr ging. Man unterschätzt auch sehr schnell, wie viel Zeit man für 10.000 Schritte benötigt. Wer es wissen will: Um die zwei Stunden pro Tag. Ohne mein Walking Pad unter dem Schreibtisch, welches es mir ermöglicht während der Arbeit zu marschieren, wäre das kaum möglich gewesen. In einer 90 Minuten Programmierung-Session kann ich so gut 8.000 Schritte quasi nebenbei ohne zusätzlichen Zeitverlust abarbeiten.
Nach ca. zwei Wochen hatte ich mich an den neuen Albtraum meines Tagesablaufs gewöhnt. An eine Ernährung mit ca. 1000 bis 1300 Kalorien pro Tag, auf den hauptsächlichen Verzicht auf Kohlenhydrate und auch an das Intervallfasten (17 zu 7). Überraschenderweise fiel mir das Fasten und kalorienreduzierte Essen deutlich leichter als gedacht. Als jemand, der Pommes und Pizza liebt und vornehmlich bereits um 15 Uhr das erst Glas Wein trinkt, hätte ich das wirklich nicht erwartet.
Auch der völlige Verzicht auf Alkohol klappte besser als erwartet. Nach dem langen Urlaub hatten sich die ersten Tage sehr gut angefühlt. Ich war geradezu dankbar, nicht jeden Tag Alkohol in mich reinkippen zu müssen. Doch spätestens als das nächste Wochenende kam, stand ich vor der Frage “was mache ich nun?”. Mir war schlichtweg langweilig. Normalerweise stehe ich am Wochenende auf Grund von Kater nie vor 12 bis 14 Uhr auf – plötzlich bin ich um 9 Uhr morgens fit. So ein Wochenende kann sich ziemlich lang anfühlen. Glücklicherweise musste ich ja mein Sportprogramm integrieren und schaffte es durch ausführliches prokrastinieren so sehr gut, zumindest den halben Tag rumzukriegen. Den Rest füllte ich einfach mit dem Üblichen: PC-Games, Netflix oder einfach Arbeit. Mein Interesse an Dating hält sich in Grenzen, scheinbar stehen meinem Körper dazu keine Reserven zur Verfügung. Nunja, das ist auch mal gut, da ich so ein paar Wochen auf Prep (und Medikamente im allgemeinen) verzichten kann.
54 Tage, so lange ist der Detox geplant, sind eine lange Zeit. Und sie fühlen sich an die 1.000 Tage. Was man nicht alles tut, um nicht völlig fett zu werden. Aber wie sage ich immer: “Wer schwul sein will, muss leiden”. Heute ist Tag Nr. 21 und es sind etwas über 40% geschafft. Schauen wir mal was wird. Was wird.


