Wenn man weiß, dass der Großteil meiner (chosen) Family innerhalb einer Woche Ende Mai beziehungsweise Anfang Juni Geburtstag hat, könnte man meinen, dass ich darauf anspiele. Doch das tue ich nicht. Ich spiele auf meinen letzten runden Geburtstag an. Schon wieder sind fünf Jahre vorbei. Man wird halt nicht jünger. Und dieses Mal sollte sich der Geburtstag zu einem wirklichen Highlight entwickeln.

Schon fast ein Jahr vorher hatte ich mit der Planung begonnen und wollte eine große Party mit 50 bis 100 Leuten veranstalten. Als ich die ersten Angebote von Locations erhielt, war die Idee aber schnell wieder vom Tisch. Um die 100 bis 150 Euro pro Person wollten die Locations für den Geburtstag. Sorry, aber ich bin nicht bereit, einen fünfstelligen Betrag für eine Party zu zahlen, zu der größtenteils Leute eingeladen sind, die ich eh nur ein- bis zweimal pro Jahr sehe. Doch ich hatte noch zwei alternative Ideen im Hinterkopf: entweder auf alles scheißen und einfach wegfliegen oder eine kleinere Party mit maximal 30 Leuten, die mir näherstehen, in einem Club oder einer Bar feiern. Tja, was soll ich sagen? Am Ende wurden beide Vorhaben umgesetzt.

Let’s go to San Francisco

Doch von vorne: Die „Auf-alles-scheißen“-Idee wurde insofern umgesetzt, als dass ich mit meiner chosen Family eine Reise in Richtung USA gebucht habe. Es sollte in San Francisco losgehen und ein paar Tage später per Inlandsflug nach Washington, D.C. gehen – dort fand zu dieser Zeit nämlich der WorldPride statt. Der WorldPride ist eine Art besonderer Pride, der regelmäßig in einer anderen Stadt der Welt stattfindet: 2026 zum Beispiel in Amsterdam und 2025 eben im bereits erwähnten Washington, D.C.

Das Coole am Hinflug: Der Flug startete am 29.05. am späten Nachmittag, das heißt, wir verbrachten das Reinfeiern in meinen Geburtstag im Flugzeug. Standesgemäß beziehungsweise geburtstagsgemäß natürlich in der Business Class. Mit reichlich Champagner. Um 0 Uhr deutscher Zeit – und somit zu meinem ersten Geburtstag – gab es von der Swiss-Crew ein Schokoladenflugzeug geschenkt. Herzallerliebst! Ich habe mich sehr gefreut, weil ich nicht damit gerechnet hatte. Und auch meine Freunde hatten ein paar coole Geschenke für mich parat.

Skybar inkl. Latino-Boy

Gegen 1 Uhr nachts deutscher Zeit – und gegen 16 Uhr Ortszeit – landeten wir am San Francisco International Airport. Und es war wieder der 29.05. Ich war wieder ein Jahr jünger, juhuuu. Meinen Geburtstag hatte ich also erneut vor mir. Und er sollte sensationell werden, denn meine Freunde hatten noch viele Überraschungen parat. Die beste Überraschung war nicht der ultra-cute Latino-Boy, den mein bester Freund für mich in einer Bar ansprach und der mich fortan für den Rest der Nacht samt dem Morgen danach begleitete, sondern vor allem das erneute Durchbrechen der Null-Uhr-Mauer in einer endgeilen Skybar im Zentrum von San Francisco. Ihr Name: Cityscape Sky Bar. Und selbstverständlich fuhren wir mit einem Waymo hin. So etwas gibt es in Europa noch nicht: selbstfahrende, völlig autonome Autos, die man per App bestellen kann.

Doch bevor wir zum dritten Teil dieses wirklich einmaligen Geburtstags kommen, noch ein bisschen was über die restlichen Tage in San Francisco. Genau genommen fällt mir dabei ein, dass es sogar ein vierfacher Geburtstag war, denn am nächsten Morgen folgte quasi der Birthday Drag Brunch. Mit literweise Prosecco, kleinen Snacks, unsexy Go-gos und der einen oder anderen nervigen Dragqueen. Natürlich konnten es sich meine Freunde nicht nehmen lassen, einer der Drags zu stecken, dass es mein Geburtstag war. Als Folge durfte ich – nein, musste ich – auf der Bühne zusammen mit zwei anderen Geburtstagskindern twerken. Das war an Peinlichkeit wirklich schwer zu überbieten. Als Rache dafür überschüttete eine der Drags meinen besten Freund dann komplett mit einem Cocktail.

Die nächsten Tage in Frisco waren leider primär von Langeweile geprägt. Aufgrund einiger Prides in der näheren Umgebung war die Stadt unter der Woche komplett leergefegt, und die Bars machten spätestens gegen 0 Uhr zu. Selbst unsere neue Lieblingsbar, das Lookout, war um diese Zeit nicht gerade voll. Na ja, dafür konnte man dort zumindest ab etwa 17 Uhr ein paar Drinks genießen. Auf dem Plan stand natürlich auch ein Besuch der legendären Folsom Street, auf der es ebenfalls komplett leer war. Am Ende der Straße befand sich eine recht große Gaybar. Ihr Name: Eagle Bar. Mit großem Außenbereich und voller als erwartet. Und nun waren wir auf etwas, von dem ich dachte, dass es schlichtweg nicht existiert: einer schwulen Heavy-Metal-Party. Unglaublich, aber wahr. Ich konnte gar nicht so schnell Bier trinken, wie ich wieder flüchten wollte.

Leider kam es zu keinem Wiedersehen mit meinem San-Francisco-Latino-Boy. Meine Freunde entschieden recht spontan, dass wir die Stadt verlassen und früher als geplant das nächste Ziel ansteuern. Mir wurde die Pistole auf die Brust gesetzt: Entweder fliegst du mit und bist in 30 Minuten abfahrbereit, oder du bleibst noch zwei Tage allein in Frisco. Na ja, natürlich bin ich mitgeflogen.

WorldPride in Washington, D.C.

Für knapp 50 Dollar Umbuchungsgebühr erwartete uns ein fünfstündiger Flug in Richtung Washington, D.C. Der WorldPride war das nächste Ziel. Ich war vor ein paar Jahren schon mal in der Stadt und befand sie für langweilig – also erwartete ich nicht wirklich viel. Es ist übrigens bei Amerikanern immer ganz wichtig, zwischen Washington und Washington, D.C. zu unterscheiden. Sie denken sonst, dass man in den Bundesstaat und nicht in die Hauptstadt fliegt. Lustig war, dass am gleichen Tag auch unser allerliebster Kanzler Merz in der Stadt war. Na ja, gesehen haben wir ihn nicht. Das muss wohl auch nicht sein.

Und was soll ich sagen? Der Pride war meeeega. Wobei ich mit Pride nicht die Parade meine. Die Paraden in den USA waren bisher allesamt komplett langweilig. Es ähnelt eher einer Demonstration mit vielen Absperrungen. Und natürlich dämpft das Alkoholverbot in der Öffentlichkeit die gute Laune leicht bis stark. Und zwar so stark, dass man sich die Parade komplett sparen kann. Also sind wir direkt in die Bars gezogen – eine gute Idee, denn schon ein paar Stunden später waren die Schlangen vor den Bars endlos. Wir gingen dazu über, die Bar nicht mehr zu verlassen und den kompletten Abend und die Nacht dort zu verbringen. Und so endete ein geiles Wochenende in den USA. Ich lasse nun aus, was kurz vor dem Abflug passierte, aber ich habe der Reinigungskraft ein großzügiges Trinkgeld hinterlassen.

Der dritte bis vierte Geburtstag

Der letzte Teil dieses fulminanten Geburtstags fand nach der Rückkehr in Hannover statt. Schließlich war die Idee, doch zumindest im kleinen Kreis mit ein paar Bekannten aus Hannover und Umgebung zu feiern. Am Ende waren wir circa 35 Leute, und es waren fast alle da, die mir wichtig waren. Nein, eigentlich sogar alle. Die Leute, die meinen runden Geburtstag wegen nichtiger Kleinigkeiten ausfallen lassen, haben wohl eh keine Berechtigung, Mitglied des inneren Kreises zu sein.

Knapp 90 Minuten lang wurden in meiner Wohnung sämtliche Alkoholvorräte geplündert, die es nur gab. Danach brachen wir ins Brauhaus auf und leerten noch ein paar Liter Bier. Habe ich mal erwähnt, dass ich Bier hasse? Na ja, im Brauhaus trinkt man das wohl.

So endete auch dieser Geburtstag. Und ja, es war anstrengend. Aber ich bin halt auch keine 25 mehr. Prost.