Es sollte einfach nur ein cooles Party-Wochenende in Frankreich werden, zumindest war das die Idee. Seit über 30 Jahren war ich nicht Paris, als erwachsener und (halbwegs) zurechnungsfähiger Mensch sogar noch nie. So ergab es sich, dass der Plan eines Wochenend-Trips nach Paris umgesetzt wurde. Es gibt sogar einen Direkt-Flug von Hannover – quasi direkt in die Hölle.
Am Airport im Hannover angekommen, gab es den gewohnt leckeren Kartoffelsalat in der Lounge. Die Airport-Lounge in Hannover ist übrigens bekannt dafür, die trockensten Brötchen der Region anzubieten. Eine glatte 9 von 10 auf der Trockenheitsskala. Trockener ist nur der Papst. Leider war der Flug um ca. 60 Minuten in der Ankunft verspätet, was auch zur Verzögerungen beim Einstieg führte. Der Slot war weg und ich musste weitere 30 Minuten im Flugzeug ausharren, bevor es Richtung Paris ging. Mit knapp einer Stunde Verspätung landeten wir dann unpünktlich im Charles de Gaule Airport. In einem für Paris sehr ungewöhnlichen Terminal mit dem schönen Namen “2G”. In etwa so schnell war übrigens auch das Internet. Dieses tolle Terminal ist laut Wikipedia für kleine Flugzeuge mit 50-100 Leuten konzipiert und hat nicht mal Fluggaststeige. Das ist wohl auch der Grund, warum man es ca. 3km außerhalb des normalen Terminals 2 gebaut hat. Es ist ein Shuttle-Bus notwendig, um zum Terminal 2 zu gelangen.
Um Zeit zu sparen, habe ich mich für ein Bolt entschieden, nachdem Uber mir eine Wartezeit von 20 Minuten auf das Auto ankündigte. Für die Stornierung des Uber wurden dann direkt die ersten 7 Euro fällig. Und auch mit dem Bolt gab es gewisse Probleme. Die Probleme des Verkehrs am Freitagabend in Paris: Stau, Stau, Stau. Ganze 90 Minuten brauchte ich vom Airport bis zum Hotel. 45 Euro später und völlig ausgenüchtert erreichte ich meine Ziel und durfte direkt zum Essen mit meinen Freunden sprinten. Gerade noch rechtzeitig. Für eine Dusche zur Auffrischung war leider keine Zeit mehr.
Wenige Drinks später
Was nach dem Essen, was übrigens kein Essen, sondern nur ein Drink war, weil es viel zu spät zum Essen war, passierte, ist klar: Bars, Bars, Bars und ein Besäufnis sondergleichen. Also so, wie wir es in jeder Stadt tun. Wir starteten in der coolen Bar “freedj” im Gay-Viertel von Paris. Ein bisschen voll, aber mit cooler Musik und Happy Hour. Bis 22 Uhr gab es zu jedem Drink einen zweiten gleicher Art dazu. Die Gäste in dieser Bar sind durchaus abwechslungsreich, es gab sogar ein paar Puppys. Deutlich männlicher wurde es in der nächsten Bar, welche den tollen Namen “Cox” trägt. In der Cox-Bar waren wir Samstag übrigens erneut. Und der DJ sah Carl Cox verblüffend ähnlich – er hat sogar einen ähnlichen Musikstil gespielt.
Nachdem wir uns ausgiebig über Franzosen und die affige französische Sprache lustig gemacht haben, ging es in die nächste Bar bzw. eher in einen Club. Den Namen habe ich verdrängt, aber die Kellerin war die einzige Frau. Generell mag ich keine Frauen, aber in diesem Laden hätte es mich nicht gestört, schließlich sahen die männlichen Gäste deutlich schlimmer aus. Ich war froh, als ich um ca. 3:30 Uhr flüchten konnte.
Sightseeing-Day
Der Samstag begann gegen Mittag mit einem Dosenbier. Scheinbar gibt es in französischen Supermärkten kein fertigen Longdrinks, wie man sie in Deutschland in jeder Tankstelle findet. Aber naja, ein halber Liter Corona am Morgen verdirbt Kummer und Sorgen. Und auch den Kater. Nach dem leider nur mittelmäßigen Mittagessen und einem Spaziergang zur nach Abfackelung wieder aufgebauten Notre Dame machten wir eine Tour mit einer Art Hop-On-Hop-Off-Schiff. Man fuhr quasi auf der Seine (das ist ein Fluß in Paris) rum und konnte alle paar Minuten aus- oder einsteigen, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt zu betrachten. Also solche Dinge wie das Louvre-Museum oder den Eifelturm, vor welchem wir sehr kuriose Straßenkünstler sehen durften.
Das gewohnte Samstag-Abend-Programm folgte schnell: Mehr Restaurants und mehr Bars. Wir haben sogar eine Bar besucht, in welcher Gogos geduscht haben. Zumindest theoretisch, da wir zu früh waren. Davon abgesehen war die Bar auch nicht sonderlich hübsch. Viel zu hell, unpassende Dekoration und viel zu teure Getränke (Ausnahme: Happy Hour). Aber das mit den teuren Getränken gilt wohl für ganz Paris. Für fünf doppelte Longdrinks sind um die 100 Euro fällig. Comme ci, comme ca.
Ich beendete die Samstag Nacht gegen 2 Uhr. Schließlich wollte ich am Sonntag Mittag fit sein. Erstens musste ich um 12 Uhr auschecken und zweitens habe ich mich auf das Highlight gefreut: Einen Besuch des Louvre Museums, welches ich bisher noch nie gesehen hatte. Meine Freunde hatten einen Flug gegen Mittag gebucht, ich extra den Flug spät abends, um noch ein bisschen mehr Zeit in Paris zu verbringen – im Museum.
Der Louvre-Raub
Und es kam, wie es immer kam und ich frage mich wirklich, warum ich nicht Lotto spiele. Ich war gerade auf dem Weg ins Louvre, da kam die Meldung: Raub des Jahrhunderts im Louvre – Museum für heute geschlossen. Und ja, selbstverständlich passiert das genau an dem Tag in 30 Jahren, an dem ich ein Ticket habe. Warum wundere ich mich auch? Ich habe es ja schließlich auch geschafft genau an dem Tag in England zu sein, als die Queen, die zuvor um die 100 Jahre gelebt hat, stirbt. Das hatte eine Schließung von Bars & Clubs und eine fürchterlich langweilige Woche zur Folge. Naja wobei, eventuell hat es auch etwas Geld gespart.
Da stand ich nun, um 12 Uhr mittags alleine und ohne Plan in Paris. Noch ca. zehn Stunden bis zu meinem Rückflug. Mein Ziel war der Eiffelturm; zu Fuß Richtung Eiffelturm und das Ding dann ohne Aufzug erklimmen. Das Wetter zerschlug auch diesen Plan. Und so vegetierte ich vier Stunden in einem italienischen Restaurant. Auf Grund meiner fehlenden Kenntnisse in französisch natürlich mit dem falschen Wein: Statt Weißwein gab es Eiswein. Heftig süss und die Erklärung für meine Kopfschmerzen.
Den Rückweg zum Flughaben habe ich dann wirklich mit dem lokalen Nahverkehr angetreten. Erstens, weil mich ein neuer Stau endgültig gekillt hätte und zweitens, weil ich eh noch genug Zeit hatte. Air France hat mir am Ziel (erneut Terminal 2G) dann freundlicherweise ganze 90 Euro für den Zutritt zur Lounge abgeknüpft. Dafür gab es dann zwar kein warmes Essen (sondern nur Baguettes & Croissants), aber zumindest Grey Goose und Pommery. Prost. Ich muss noch ein paar Tage darüber nachdenken, ob Paris nun auf die Nummer 1 meiner am wenigsten gemochten Städte aufsteigt. Aktuell steht da noch Athen, dicht gefolgt von Rom.


